Mein Blog zieht um!

Liebe Leserinnen und Leser,

im Sommer hatte ich viel, viel Zeit zum Nachdenken durch einen langfristigen Ausfall meiner Telefon- und Internetverbindung. Ich war schon lange unzufrieden mit meinem Webauftritt und habe die freie Zeit genutzt, viele Bücher zu lesen und mir Gedanken über meinen Internetauftritt zu machen. Das Ergebnis: ich habe nur noch eine Seite mit einem Blog (in dem Sie die Beiträge aus den beiden alten Blogs noch lesen können) und einem Mini-Shop. Alles ganz schlank und übersichtlich. Artikel zum Thema Hochsensibilität und/oder EFT  möchte ich künftig nicht mehr nur gelegentlich, sondern wöchentlich veröffentlichen. Die Artikel gehen immer sonntagabend um 19 Uhr online. Es gibt mehr interaktive Elemente für Sie in Form von Bewertungen und Umfragen (mal sehen, was mir sonst noch einfällt …)

Ab heute finden Sie mich unter www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de . Schauen Sie doch vorbei und lesen Sie den neuesten Artikel: „http://www.eft-fuer-hochsensible-menschen.de/weizen-nein-danke/

Sie können mir auch weiterhin über RSS oder ein soziales Netzwerk folgen.

Über Ihre Rückmeldungen freue ich mich.

Viel Spaß beim Herumstöbern, Ausprobieren  und Lesen!

Ihre

Monika Richrath

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2 ZKDB – Umzüge und ihre Widrigkeiten

Zwei Wochen nach meinem 18. Geburtstag bin ich von Zuhause ausgezogen und dann lange Zeit alle 1-2 Jahre von einem kleinen Zimmerchen ins nächste. Zwischen 30 und 40 wurden die Wohnungen größer und komfortabler und das Umzugstempo hat sich verlangsamt.

haus
Umziehen an sich macht mir immer noch Spaß – auch wenn HSP-Pionierin Elaine Aron meint, dass viele hochsensible Menschen Veränderungen fürchten. Ausmisten und mich einzurichten finde ich herrlich! Aber erst nach dem letzten Umzug wurde mir so richtig klar, vor wie vielen Herausforderungen ich dabei stand: In einer Stadt mit einer katastrophalen Wohnungslage eine Wohnung in einem ganz bestimmten Stadtteil zu finden (die zudem noch einige besondere Anforderungen erfüllen sollte). Früher hatte ich das immer ein wenig aufs Geratewohl gemacht.

Ich möchte den Artikel lesen


Mittwoch um eins

WassergymJe mehr ich mich mit dem Thema Körper und Hochsensibilität beschäftige, umso wichtiger scheint es mir zu sein, mit meinem (häufig vernachlässigten) Körper in Kontakt zu treten und ihm in vielfältiger Form Gutes zu tun. Bislang habe ich das nicht aktiv bearbeitet, weil mir anderes immer wichtiger schien. Allerdings gibt es in meinem EFT-Seminaren und Workshops nicht nur eine EFT Anleitung, sondern auch immer einen Reframing Part, der sich mit der Umsetzung einer positiven Neubewertung und -ausrichtung befasst. Dies habe ich in der letzten Zeit nicht nur für HSP getan, sondern auch für andere Menschen in akuten Stress-Situationen, wie Pflegekräfte z.B.

Offensichtlich hat mein Körper einfach die für andere bestimmten Neuorientierungen aufgegriffen und umgesetzt. Für mich fühlt es sich jedenfalls so an, als hätte mein Körper die Regie übernommen – und so kommt es, dass ich seit Anfang des Jahres zweimal in der Woche ins Schwimmbad gehe (wohin ich es im vergangenen Jahr nicht ein einziges Mal geschafft habe!). Für mich ist das wie Magie – aber es zeigt auch wieder mal sehr schön die wunderbaren Nebeneffekte, die die Meridian-Klopftechnik EFT haben kann.

Mittwoch um eins ist ein Termin, der sich bei mir schon fest eingebürgert hat und den ich nur ausfallen lasse, wenn eine Krankheit im Anflug ist. Schon den ganzen Morgen über bin ich freudig beflügelt beim Gedanken an das Schwimmbad. Um eins steige ich dann ins Becken zu den anderen. Das Durchschnittsalter der TeilnehmerInnen dürfte zwischen 60 und 70 liegen. Mit meinen 51 Jahren gehöre ich eher zu den Youngstern. Einige hüpfen sich schon einmal warm und auch ich plantsche erwartungsvoll im Wasser herum.

Da kommt der Trainer mit dem Equipment, es ist immer das gleiche: erst die Hanteln, dann die Nudeln, dann Scheiben. Auch die Choreographie der Übungen ist immer die gleiche, nur die Musik nicht. Heute hatten wir Prince und Frieda Gold. In der Woche vor Karneval die Höhner, da wurde ein wenig mitgesungen (soweit das während der Wassergymnastik möglich war). Jetzt geht es los: Es wird gerempelt und gekichert und mit dem Trainer geflirtet …

Mit mir geht jedenfalls im Wasser eine sonderbare Metamorphose vor sich: ich werde nicht nur leichter, ich verjünge mich auch, ich werde fünf oder 12 oder 18, wenn die Musik losgeht. Das fühlt sich ein bißchen wie Disco an (Nur dass ich beim Bewegen schon mal den Boden unter den Füßen verliere oder abgetrieben werde ins tiefere Wasser). Plötzlich bin ich nur noch Bewegung, Musik und Rhythmus. Alles ist perfekt. Ich höre meinen Körper förmlich vor Wonne seufzen. Heute schien die Sonne ins Becken und zauberte silbrige Reflexe aufs Wasser, zauberhaft. Ich wollte das Becken gar nicht mehr verlassen.

Ich verstehe selbst nicht mehr, wieso ich mir das jahrelang selbst vorenthalten habe? Egal, es ist nie zu spät dafür, neue Akte und Zeichen der Selbstliebe zu finden, schon gar nicht, wenn man hochsensibel ist 😉

Wie halten Sie es denn mit dem Sport? Ich freue mich, wie immer, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen.

Ich wünsche Ihnen schöne Ostertage
Ihre Monika Richrath


Grenz-Erfahrungen: Boarderlines

Eher zufällig bin ich im Netz auf den Kölner Autor Andreas Brendt  gestoßen. Sein Buch Boarderlines für Junge Wilde, Sinnsucher und andere hat sofort mein Interesse geweckt. Sinn scheint für die meisten hochsensible Menschen etwas sehr Essentielles zu sein. Daher habe ich mit dem Autor ein (wie ich finde) spannendes Email-Interview geführt. Aber lesen Sie selbst:

Andi, worum geht es in Boarderlines?

xdrop2Boarderlines ist ein autobiografischer Reise-Abenteuer Roman und viele Leser sprechen von einem besonderen Buch, von einer eigenen Gattung, weil man so hautnah dabei sein kann.
Die Geschichte baut sich über verrückte Erlebnisse aus allen Ecken und Enden der Welt auf. Es wird urkomisch, fies gefährlich, skurril und liebenswert, weil jede Reise ihren eigenen Charme mitbringt – besonders, wenn der Reisende genug Naivität im Gepäck hat 🙂
Darüber hinaus findet eine Entwicklung statt. In der 10 Jahre dauernden Rahmenhandlung geht es darum, wie das Reisen oder das Leben einen Menschen verändern kann. Es tauchen die typischen Sehnsüchte und Dilemmas auf, die uns alle verbinden. Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Tue ich das, was die gesellschaftlichen Konventionen von mir verlangen oder gehe ich andere Wege. Was muss ich aufgeben, wenn ich meinen Träumen folge und wird mich das zum Glück führen?
Die Antwort ist klar: Nein 🙂
Bzw. über Umwege, denn die schwierigen Momente können die lehrreichsten sein. Das Buch bekommt eine gefühlvolle Seite und zeigt die Höhen und Tiefen, mit denen wir alle zu kämpfen haben. Hier wird es dann auch philosophischer, denn der Protagonist ist schon längst und ohne das zu ahnen auf einem suchenden, fast spirituellen Weg. Dabei habe ich versucht die Bedeutung der fernöstlichen Weisheiten auf eine neue, mehr erlebbare Weise näher zu bringen.

Was meinst Du mit nein: Du möchtest nicht tun, was die gesellschaftlichen Konventionen verlangen oder nein: Das wird mich nicht zum Glück führen?

Also das Nein bezog sich nicht auf die gesellschaftlichen Konventionen sondern, ob bzw. wann ein Weg zum Glück führt.

Man kann verschiedene Lebenswege einschlagen und ein gesellschaftliches Umfeld erwartet meist einen mehr oder weniger vorgezeichneten Werdegang. Zum Beispiel Schule, Studieren und Karriere machen. Oder Gesellenprüfung und früher arbeiten. Aber natürlich gibt es auch Möglichkeiten, etwas ganz anderes zu machen. Zum Beispiel ganz viel Reisen und einer Leidenschaft folgen (egal ob Surfen, Klettern, Fahrradfahren). Für manche Menschen ist das ein Weg voller Unsicherheit und ohne Weitsicht, nach dem Motto: Was soll denn in der Zukunft aus Dir werden? Für andere scheint der Weg, einfach seinem Freiheitsdrang zu folgen, als Selbstverwirklichung und Weg zum Glück.
Meiner Meinung nach macht aber keiner dieser Wege von alleine glücklich. Ich glaube momentan, dass es ganz egal ist, was man tut. Ob man als Supermarktkassierer 9 – 5 arbeitet oder Extrembergsteiger durch den Himalaya tourt. Es geht nicht darum, was man tut, sondern wie man es tut. Ist man seinen Gefühlen gegenüber aufmerksam, ist man offen für das Wunder des Lebens, was einem überall begegnen kann. Lässt man sich von einer subtilen Intuition lenken und kann man Freude in alles fließen lassen, was ist.

Das klingt sehr gut. Ich fand die Momente von Einssein mit der Natur sehr schön beschrieben. War das etwas, was Du erst beim Surfen entdeckt hast, oder war das auch vorher schon ein Teil Deines Lebens?

IMGP1752Ich war immer gerne draußen, aber die Intensität des Naturerlebnis hat stark mit dem Wellenreiten zugenommen. Und wenn man bewusster erlebt, erlebt man auf einmal immer mehr. Gezeiten, Wind, Sonne, Mond und Sterne und mittlerweile bemerke ich selbst in der Großstadt Wolkenformationen und höre die Vögel – auch das habe ich ja quasi in Sri Lanka gelernt 🙂

Mich interessiert auch, welche Bedeutung der Titel „Boarderlines“ für Dich hat?

Boarderlines ist ein vielschichtiges Wortspiel. Eine Freundin hatte die Idee bei einer Menge Rotwein und einem Haufen Leute in meiner Küche. Sie meinte das muss irgendwie mehr knallen, erschrecken 🙂 wie Borderline. Dann war es eine kurze Weile sehr still. Und jeder hatte andere Assoziationen. Manche dachten an das hin- und hergerissen sein. Der Konflikt zwischen Heim- und Fernweh. Andere sahen die Linien, die ein Surfer oder Boarder in der Welle (oder dem Schnee) zurücklässt. Natürlich war für die meisten Grenzen sowohl in geographischer wie auch in mentaler Art und Weise sehr naheliegend oder eben die Krankheit. Mir kam allerdings eine andere Verknüpfung: Ich dachte an Zeilen (lines), die ein Brettsportler (Boarder) schreibt und fand das super passend. Vor allem in der Verbindung mit Grenze oder Grenzbereich.
Dann habe ich eine Weile mit mir gerungen, ob ich einen so heftigen Titel nehmen kann oder lieber einen braven nehmen soll. Aber irgendwie hatte ich schon längst, in diesem Moment der Stille, eine Entscheidung getroffen.

In Grenzbereiche und -erfahrungen bist Du während Deiner Reisen ja öfter gestoßen. Ich denke dabei nicht nur an Grenzerfahrungen mit der Natur, bzw. den Naturgewalten, sondern ich fand Deine Erfahrungen in den Begegnungen mit anderen Menschen oft auch sehr krass, z.B., dass die freundlichen Menschen am Strand sich plötzlich als befremdende Rassisten entpuppen … Ich habe eine Passage im Buch, die mir ganz besonders gefällt – welche, verrate ich Dir später. Welche Erfahrung, die Du in den zehn Jahren gemacht hast, hat Dein Leben rückblickend am meisten verändert?

Ach das sind so viele. Jede Reise hat einen anderen Charakter, jede Begegnung ihren Charme. Manchmal sind es kurze Begegnungen, von denen ich ewig zehre und die mir Jahre später wieder in den Sinn kommen. Ich glaube, was mich geprägt hat, ist zu erkennen, wie unterschiedlich das Leben in der Welt ist und damit, wie unterschiedlich das Leben sein darf. Und das absolut wertfrei. Ich bewundere einen Busfahrer genauso wie einen Karrieremenschen, einen Genügsamen genauso wie jemanden, der hinter einer Leidenschaft herjagt und einen einsamen Typ ebenso wie den Geselligen. Das kann dann auch die eigenen Situation etwas entspannen. Wir haben ja alle Vorstellungen, wie wir sein sollten, wie unser Leben aussehen könnte. Der Blick zurück zu all den Begegnungen nimmt mir dann den Druck, irgendetwas sein zu müssen (ein Surfer, ein Reisender, ein erfolgreicher Schriftsteller oder was auch immer ich mir gerade so ausmale).

Wann hattest Du die Idee, deine Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten? Kannst Du Dich noch an diesen Moment erinnern?

Das war kein Moment, sondern eine Entwicklung.
Ich habe früher häufig Reise-Emails nach Hause geschrieben, um den Kontakt zur Heimat nicht ganz zu verlieren. Und dann meinten alle immer: Das ist so witzig, so abgefahren, da musst du unbedingt mal ein Buch draus machen. Und in den Surfcamps wollten die Leute auch immer Geschichten aus der weiten Welt hören und 🙂 ich erzähle halt auch gerne. Andi_Lama_swSo wuchs die Idee in meinem Kopf ein paar Jahre heran. Irgendwann wusste ich, dass ich das mal machen werde. Es fehlte nur noch der Anlass. Und dann kam eine sehr schmerzhafte Trennung, die viel Energie freigesetzt hat und den Startschuss markiert hat.

Apropos Entwicklung: Das Buch endet 2005 mit Deiner Vereidigung als Lehrer. Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren davor ist das eine völlig konträre Lebensform. Wie ist es Dir in diesem Gegensatz ergangen – konntest Du Dich darin einrichten oder machst Du heute etwas Anderes?

Zunächst mal wurde mein Leben spannender als je zuvor. Aber das steht im zweiten Buch, mit dem ich aller Voraussicht nach im Sommer beginnen werde, weil ich dann wieder 13 Monate frei habe. Das Zurechtfinden war natürlich ein interessanter und zuweilen lustiger Prozess. Ganz einfach, weil mir einige „Grundkenntnisse“ für das Leben in Deutschland fehlten 🙂 Dies galt insbesondere für den Umgang mit einem Beamtenapparat, der ab und an deutlich weniger Spaß versteht als ich, und auch für meine erste richtige Beziehung. Woher sollte ich denn wissen, dass man sich meldet, wenn man ein paar Wochen auf einen Surftrip fährt 🙂
Grundsätzlich habe ich versucht, mir weiter Auszeiten zu schaffen. So habe ich nach dem Referendariat nochmal 1,5 Jahre in die Reiserei investiert und dann sofort (auch hier gab es interessante Blicke) ein Sabbatjahr angemeldet. Der Wechsel zwischen etwas mehr Heimat und wieder einem (wunderbaren) sozialen Umfeld und der weiten Welt hat mir in den vergangenen Jahren super gut gefallen. Mittlerweile liebe ich Beides: ein Zuhause und die Möglichkeit den Planeten zu erkunden. Müsste nur noch dieses „Arbeiten-und Geld-Verdienen-müssen“ aufhören, weil das stört einfach beim Leben.

Dann bin ich mal sehr gespannt auf das neue Buch. Hast Du Dich eigentlich schon einmal mit dem Thema „Hochsensibilität“ beschäftigt?

Mmh, ich bin hochsensibel, aber in einem wissenschaftlichen Kontext noch nicht. Der Begriff als solches ist mir auch nicht geläufig. Ich vermute aber, dass jedes Wesen, dass in der westlichen Welt aufwächst, hochsensibel ist, aber alle Gefühle unterdrücken muss. Wir müssen funktionieren und da soll man nicht zwischendurch vor Wut schreien oder Tränen kommen lassen, wenn man traurig ist. Mir gefällt die Arbeit im Osho Zentrum in Köln sehr gut, weil es genau darum geht. Gefühle sein lassen zu dürfen in einem sicheren Raum. das ist sehr intensiv und fühlt sich irgendwie richtig und vor allem menschlich an.

Ich meine hochsensibel als „besonders empfindsam“, mit einer besonderen Empfänglichkeit für innere und äußere Reize. Wissenschaftlich belegt ist diese besondere nervliche Disposition tatsächlich nicht, empirisch aber schon. Ja, ganz bestimmt sind die meisten Menschen viel empfindsamer, als sie es zeigen, ich meine hier aber eher die ganz besonders Empfindlichen. Hast Du dafür eine andere Bezeichnung?

Nein, ich verwende auch das Wort sensibel. Ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die mehr und andere, die weniger sensibel sind. Vielmehr scheint der Umgang mit unseren Gefühlen sehr unterschiedlich zu sein. Manche verdrängen, manche suchen danach. Und die Reaktion auf das Fühlen ist ebenfalls sehr verschieden. Manche nennen es Einbildung, andere Hokuspokus, der in unserer rationalen Welt nichts zu suchen hat. Wieder andere „sind nah am Wasser gebaut“ und andere flippen einfach aus.

Ich habe in den letzten Wochen zweimal die AUM besucht.
Das ist eine dynamische und soziale Meditation, die uns durch 13 Phasen führt. Dabei werden alle Möglichen Gefühle ausgelebt. Wut, Trauer, Lachen, Euphorie, Sinnlichkeit usw. Das Wichtige scheint zu sein, dass alle Gefühle da sein dürfen und, dass wir nicht diese Gefühle sind (was wir erkennen, wenn wir Gefühle beobachten und besonders, wenn wir gegensätzliche Gefühle direkt nacheinander erleben und beobachten). Diese knapp 3 Stunden haben eine enorme Kraft und verbinden die Teilnehmer sehr. Es zeigt auch, dass in jedem Menschen alle Gefühle schlummern. Wer behauptet, er hätte einfach keine Wut in sich, hat Wut mehr verlernt und unterdrückt. Wut ist ein wunderbares und kraftvolles Gefühl, was bei uns nur deshalb eine negative Assoziation bewirkt, weil viele nicht mit Wut umgehen können und dann beginnen zu zerstören. Dabei kann Wut auch einen enormen Schaffensprozess einleiten. Ähnliches gilt für die anderen Gefühle. Ich fühle mich mittlerweile richtig geehrt, wenn ich Gefühle miterleben darf. Diese Öffnung ist ein Zeichen von Vertrauen und das ist wunderbar. Verrückt, dass dem Fühlenden das dann peinlich ist.

Ja, ich bin ganz und gar mit Dir einverstanden, dass das Wahrnehmen der Gefühle super wichtig ist, weil die meisten Menschen ihre Gefühle einfach immer nur verdrängen und dadurch krank werden. Mein Tool der Wahl ist ja die Meridian-Klopftechnik EFT. Letzten Endes geht es dabei aber (wie bei der AUM) darum, Gefühlen Raum zu geben. Mir geht es heute (auch obwohl ich schon ganz viel „losgelassen“ habe) manchmal so, dass ich ein Gefühl habe und nicht weiß, was es bedeutet – nur das es sich nicht gut anfühlt.

Aber jetzt nochmal zurück zu Deinem Buch: ich habe ja schon erwähnt, dass ich eine Lieblingspassage habe. Als ich „Freak Set“ gelesen habe, hatte ich richtig Herzklopfen. Zum einen, weil ich selbst schon einmal in der Bretagne in einer Welle untergegegangen bin und dachte, ich komme NIE mehr hoch. Zum anderen fand ich es ein unglaublich starkes Bild für Situationen, in die man im Laufe des Lebens immer wieder gerät: Man sieht etwas auf sich zurollen, was sehr riesig ist und glaubt, jetzt geht man unter, das kann man unmöglich überleben, aber man kommt doch immer wieder hoch und überlebt und dann geht das Leben weiter …
Du hast Dein Buch, glaube ich, selbst verlegt? Wo und wie kann man es denn kaufen? Und was kostet es?

In erster Linie kann man das Buch im Internet kaufen. buch_andibrendt
Es gibt drei Möglichkeiten:
1. Über meine Verlagsauslieferung die Dhlog (einen Link gibt es auf meiner Seite: http://www.boarderlines-buch.de/bestellung.php)
man zahlt 15,95 Euro versandkostenfrei, das möchte ich jedem empfehlen
2. Bei Amazon, aber da kostet das Buch 18,95 Euro und die Bestellung dauert auch ein paar Tage länger
3. Als Ebook bei Amzon oder Kobo für 8,77 Euro

Vielen Dank, Andi und viel Erfolg!


Hunger

Als Kind habe ich immer davon geträumt, „erwachsen“ zu sein und fieberte meiner Volljährigkeit entgegen. Der 18. Geburtstag kam und ging. Gut, jetzt konnte ich meine eigenen Entschuldigungen schreiben und in ein eigenes Zimmer ziehen, aber gegen viele (sehr viele) Dinge war ich vollkommen machtlos. Nie hätte ich mir als Teenager träumen lassen, dass die so lang ersehnte Unabhängigkeit schon bald verblassen würde neben einem sonderbaren, unerklärlichen Phänomen: Mir war immer schlecht. Morgens mittags abends. Immer. Es gab nur gradulle Abweichungen – gelegentlich gelang es mir, diesen Zustand kurzfristig zu vergessen. Natürlich habe ich sehr viel über die Ursache dieses sonderbaren Phänomens nachgegrübelt – herausgekommen ist dabei aber nicht viel – außer vielleicht der vagen Erkenntnis, dass ich besser aufhören sollte zu rauchen – was einfach nicht möglich war.

Medizinische Untersuchungen blieben übrigens auch relativ ergebnislos. Stets wurde mir eine kleine Rötung der Magenschleimhaut bescheinigt, was zur Folge hatte, dass ich mich wie eine Hypochonderin fühlte. Auch wurde mir stets geraten, doch kein Aspirin mehr zu mir zu nehmen. Der Clou war, dass ich noch nie Aspirin genommen hatte, in meiner Familie war das nicht üblich. „Psychosomatisch“ war das Etikett für unerklärliche Leiden, das die Ärzte einem in den 80er und 90er Jahren gern verpassten, wenn sie nicht weiter wussten. „Psychosomatisch“, das klang für mich so, als sei ich es selbst irgendwie schuld, jedenfalls fühlte ich mich auf vage Weise schuldig an meinem Zustand.

file0001394095753Meiner Mutter zufolge bin ich immer eine „schwierigere Esserin“ gewesen. Die Übelkeit machte alles noch schlimmer. Meistens hatte ich gar keine Lust, etwas zu essen. Wenn ich gestresst war, hatte ich einen Kloß im Hals und einen Knoten im Magen und empfand einfach keinen Hunger. Am Ende war ich so dünn, dass meine Freundin begann, sich Sorgen zu machen und mich öfter zum Essen einlud. Therapie- und Selbsthilfegruppen waren damals nicht verfügbar. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob mir „so etwas“ genutzt hätte, denn ein Bewusstsein für eine Essstörung hatte ich nicht. Viele Ärzte haben sich mit der leichten Rötung meiner Magenschleimhaut beschäftigt. Am Ende waren es alle leid, sich mit meinem Magen auseinander zu setzen – mich eingeschlossen. Ich hatte mich letztendlich für konsequentes Ignorieren der Signale meines Körpers entschieden (eine Vorgehensweise, die ich mit vielen anderen hochsensiblen Menschen teilte) und dies führte dazu, dass niemand entdeckte, dass ich in aller Stille ein Magengeschwür entwickelt hatte, an dessen Perforation ich 1996 fast gestorben wäre. Es ging noch gerade eben so.

Für mich war das Gefühl „gerade eben noch davon gekommen zu sein“, ein entscheidender Wendepunkt. Ich verstand, dass ich für mich selbst verantwortlich war, für mein Leben und dafür, dass es mir gut ging. Ich begann besser auf mich zu achten, darauf, was ich aß und wie es mir ging, in winzigen und kleinen Schritten kam ich so vorwärts. Irgendwann entdeckte ich meine Hochsensibilität. Eines Tages lieh mir jemand das Buch: „Die Frau, die im Mondlicht aß (Ess-Störungen überwinden durch die Weisheit uralter Märchen und Mythen von Anita Johnston)“. Ich war wie vom Donner gerührt. Zwar fiel der Begriff „Hochsensibilität“ nicht ein einziges Mal, aber ich hatte das Gefühl, das es genau darum ging: seiner feinen Wahrnehmung zu vertrauen, egal, was andere dazu sagen. Dieses Buch zu lesen war für mich ein nachdrückliches Erlebnis, auch, weil die Autorin sehr schön beschreibt, wie der Zugang zu den eigenen Gefühlen (wieder) leichter wird.

Im Rückblick denke ich, dass ich mir als junger Erwachsener immerzu schlecht war, weil ich das, was da war, nicht wollte. Vor allen Dingen wollte ich selbst mich nicht. Ich hatte eine sehr genaue Vorstellung davon, wie ich sein wollte oder wie ich sein könnte – aber wie ich es schaffen könnte, so zu sein, das wusste ich nicht.

Jetzt, viele, viele Jahre später, verfüge ich auch über Erfahrungen mit der Kehrseite der Medaille: Essen als Ersatz, Essen als Trost, Essen aus Frust. Essen, weil die Dinge nicht so sind, wie ich sie gerne hätte. Essen, weil ich nicht so bin, wie ich sein möchte – mit jedem Bissen weniger …

Zum Glück habe ich mittlerweile EFT entdeckt – und welche Freude darin steckt, heraus zu finden, wonach man wirklich hungert und wie und womit man sich nährt (Ich finde die 5-Elemente-Küche einfach genial)! Sehr gerne mache ich Sie auf lebenshungrig, den Blog von Simone Happel, aufmerksam, in dem es um das Thema Essstörungen geht – sehr spannend und interessant.

Frau Happel hat im Oktober 2013 ein Interview mit mir zum Thema Essstörungen und EFT geführt, auf das ich hier gerne noch einmal aufmerksam möchte.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Frühling!

Ihre
Monika Richrath


Im nächsten Jahr wird alles besser?

Als hochsensibler Mensch war ich zwischen den 20ern und 40ern in Phasen intensiven Weltschmerzes verstrickt (was mir damals natürlich nicht bewusst war). Es gab so viele Dinge, die ich damals nicht verstehen konnte. Warum zum Beispiel so viele Menschen gute Vorsätze fassen am Jahresende oder sich vornehmen, dass im neuen Jahr alles besser werden soll. Ich habe nie verstanden woher diese Menschen ihren Glauben nehmen – auch nicht warum ein Leben am 1. Januar plötzlich gut sein soll, wenn es am 31. Dezember eben nicht gut war. Woher sollte das Gute denn kommen?

SylvesterJahrelang habe ich mich mit dieser pessimistischen Denkweise selbst gequält – bis ich eines Tages eine Eingebung hatte. Eines Tages habe ich beschlossen, es in einer bewussten Willensanstrengung doch einfach mal mit dieser irrationalen (für mich völlig unrealistischen) Denkweise zu probieren: Ich habe festgelegt, das Jahr am 31. Dezember das Jahr für mich „abzuschließen“, mehr war es nicht. Schon am 1. Januar fühlte ich mich erleichtert über den Abschluss, hatte ich das Gefühl, mit frischer Energie ins neue Jahr zu starten. Ich fand es selbst höchst erstaunlich und unbegreiflich, aber es gelang mir tatsächlich auch im Laufe des Jahres immer wieder, auf dieses frische Gefühl zurück zu greifen. Das begeisterte mich. Am Ende des Jahres erfand ich dann ein kleines Jahresabschlussritual, das ich seitdem immer am 31. Dezember durchführe. Das Ritual selbst ist nicht festgelegt.

Da ich lange Zeit in der Nähe des Rheins gewohnt habe, spielte dieser oft eine Rolle. Manchmal warf ich Steine ins Wasser, stellvertretend für Dinge oder Menschen, die ich loswerden wollte. Oder ich verbrannte ein Blatt Papier, auf dem ich notiert hatte, was ich im neuen Jahr nicht mehr wollte. Ganz wunderbar ist es auch, Wünsche auf ein Blatt Papier zu schreiben, daraus ein kleines Papierboot zu falten, es ins Wasser zu setzen und zu zu sehen, wie es davon schwimmt. Ein ausgesprochen kräftiges und kräftigendes Bild! Eine weitere kraftvolle Methode habe ich bei Freundinnen kennen gelernt: Sie schreiben ihre Wünsche für das neue Jahr auf Zettel und wickeln diese um Raketen, die dann angezündet werden. Ich habe das nur einmal gemacht, aber ich habe immer noch Herzklopfen bei der Erinnerung daran …

Heute möchte ich Ihnen gerne einen sehr effektiven EFT-Prozess vorstellen, der sich meines Erachtens nach besonders gut als Jahresabschluss-Ritual eignet. Gary Craig, der Entwickler von EFT, nennt ihn „den persönlichen Friedensprozess“. Es ist ganz einfach: kaufen Sie sich ein kleines Heft und schreiben Sie 120 – 150 Situationen aus Ihrem Leben auf, die Sie belasten. Von Gary Craig war das ganze so gedacht, dass man anschließend alle diese Situationen beklopft und sie so auflöst. Ich gestehe aber an dieser Stelle gerne, dass ich das gar nicht gemacht habe. Das Aufschreiben war zunächst einmal genug, es fühlte sich so an, als wären die Belastungen dadurch, dass ich sie aufgeschrieben hatte, gar nicht mehr in mir – was natürlich so nicht stimmte … Einige sind im Laufe der Zeit dann aber tatsächlich verschwunden als Nebeneffekt vom Klopfen anderer Sätze, einfach so. Und wenn mir heute mein kleines Heft in die Hand fällt, habe ich ein diebisches Vergnügen daran, es durch zu blättern und mit einem Stift all die Situationen auszustreichen, die sich auf die eine oder andere Weise erledigt haben.

Interessant ist natürlich die Frage, wie Sie es halten mit dem Abschluss des Jahres. Ist es für Sie jahrein jahraus das Gleiche oder betrachten Sie jedes Jahr als etwas Besonderes? Wie immer freue ich mich, wenn Sie mir schreiben – vielleicht haben Sie ja auch ein schönes Ritual, das Sie mit uns teilen wollen?

Ich wünsche Ihnen ein ein schönes Weihnachtsfest, stressfreie Feiertage und dass Sie gut in das neue Jahr kommen!

Herzlichst,
Ihre Monika Richrath


Lieber allein?

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Seit ich begonnen habe, mit hochsensiblen Menschen zu arbeiten, habe ich den Eindruck gewonnen, dass empfindsame Menschen überproportional häufig als Single leben.

Die Frage ist nur: warum? Liegt es daran, dass sie keine geeigneten PartnerInnen finden (niemanden, den sie lieben können), sie sich nicht trauen, sich zu offenbaren, weil sie Ablehnung fürchten, daran, dass sie Angst vor Nähe und Intimität haben, sich nicht abgrenzen können, sie die Intensität ihrer Gefühle nicht gut aushalten oder weil sie nicht loslassen können? Bestimmt gibt es noch andere Gründe, die mir jetzt gerade nicht einfallen.

„Wo viel Glück ist, ist auch viel Leid.“ Dieses Zitat wird dem Künstler und Erfinder Leonardo da Vinci zugeschrieben. Er hatte es offensichtlich selbst recht schwer mit der Liebe. Dieser Spruch erschien mir zuerst ganz passend zum Thema, haben HSP doch auch eine ganz besondere Fähigkeit zum Leiden (möglicherweise auch zum Schwelgen in dem Leid?) – eben durch das Nicht-loslassen-können und zum endlosen Widerkäuen von Gedanken, Erlebnissen, Glaubenssätzen. Dann bin ich aber über das Wort „Glück“ gestolpert und spontan kam mir in den Sinn, dass ich das Wort „Liebe“ sehr lange sicherlich nicht mit dem Wort „Glück“ verbunden habe, denn „Liebe“ bedeutete vor allen Dingen: Schwierigkeiten.

Allem voran die Schwierigkeit, nicht verbunden zu sein. Mit niemandem eigentlich. Als Teenager war ich gelegentlich mit jemandem zusammen, aber immer nur kurz. Ich war mir immer der Tatsache bewusst, dass ich dem anderen nicht wirklich wichtig war – so wenig wie er mir. Meist glitten wir wieder wortlos auseinander ohne großen Abschiedsschmerz. Ohnehin hatte ich als junge Erwachsene eine fast panische Furcht vor Nähe und Intimität. Diese stand in krassem Gegensatz zu meiner Neugier und Experimentierfreude. Zum Glück hat sich die Furcht irgendwann verabschiedet.

Schwierig blieb die Liebe dennoch, auch als ich mich Frauen anstelle von Männern zuwandte. Ich kann zurückblicken auf eine zehnjährige Lebenszeit als Single (Online-Dating entpuppte sich dabei als völlige Katastrophe, aber das ist vielleicht mal einen eigenen Blog-Artikel wert.) Der Großteil meines Liebeslebens wurde jedenfalls bestimmt durch Beziehungen, die entweder vollkommen einseitig blieben, in denen andere Menschen wichtiger waren als ich, oder jemand sich nicht wirklich für mich entscheiden konnte etc.

Einmal blieb ich fünf Jahre lang gefangen in einer sehr unglückseligen Liebeskonstellation zu einer Frau, die mich auch liebte, aber nicht wagte, ihre alte Beziehung aufzulösen und sich für mich zu entscheiden. Dass ich so lange ausharrte lag daran, dass ich ihre Liebe zu mir so deutlich SPÜREN konnte – auch wenn sie (meist vergeblich) versuchte mich auf Abstand zu halten. Ich musste, um aus dieser Geschichte auszusteigen, einen regelrechten Kampf mit mir ausfechten. Heute denke ich mir, wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich hochsensibel bin, hätte ich das anders gehandhabt. Ich hätte gewusst, das es nicht ausreicht, die Liebe einer anderen Person nur in mir zu spüren, sondern dass ich sie auch erleben und erfahren muss.

Ich habe aber auch ein paar schöne Erfahrungen gemacht mit Beziehungen. Nachdem ich herausgefunden habe, dass meine Schwierigkeiten mit der Liebe eng verbunden sind mit der fehlenden Fähigkeit mich zu verbinden, habe ich mich kontinuierlich darum bemüht, diese zu verbessern. Nicht zuletzt hat mir das Klopfen mit der Meridian-Technik EFT sehr dabei geholfen.

Ich habe nun doch einen Platz in einer Beziehung gefunden, wo ich das Gefühl habe: Hier gehöre ich hin. Vermutlich ist es nicht erstaunlich, dass ich diese Person schon seit dreizehn Jahren liebe. Früher fand ich, dass Singles es viel schwerer haben als Menschen, die in einer Paarbeziehung leben. Heute denke ich: die wahre Herausforderung liegt darin, als Paar verbunden zu sein und eine lebendige Beziehung zu bewahren, in der persönliches und gemeinsames Wachstum möglich sind.

Eigentlich muss es doch nicht sein, dass Hochsensibilität sich nicht mit einer Partnerschaft vereinbaren lässt? Viele hochsensible Eigenschaften wirken sich doch in einer Partnerschaft sehr positiv aus: häufig können wir gut zuhören, uns gut in den/die andereN hineinversetzen, wir sind engagiert und liebevoll.

Haben Sie Lust, die Zusammenhänge von Hochsenbilität und ihren Auswirkungen auf das Thema „Liebe“ näher mit anderen „Gleichgesinnten“ zu untersuchen und zu beleuchten? Vom Freitag, den 18. Oktober bis zum Sonntag, den 20. Oktober findet für hochsensible Frauen im Frauenbildungshaus Altenbücken das Seminar „Lieber allein?“ Hochsensibilität und Liebe statt. Dabei wird natürlich auch wieder mit EFT geklopft. Melden Sie sich hier an. Es gibt noch ein paar freie Plätze.

Sicher war es nicht das letzte mal, wo es in diesem Blog um Liebe geht. Ich freue mich, wenn Sie uns erzählen, wie Liebe für Sie ist.

Herzliche Grüße,

Ihre Monika Richrath


Warum Klopfen hochsensiblen Menschen besonders gut tut

Ich war schon immer der Überzeugung, dass EFT (Emotional Freedom Techniques) eine Technik ist, die hochsensiblen Menschen ganz besonders viel zu geben hat.

BeFunky_CD2.jpgDies weiß ich nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch aus der Arbeit mit KlientInnen. Nun sind dies ja subjektive Erfahrungen, aus denen sich noch keine Allgemeingültigkeit herleiten lässt.

Gut, wir wissen, dass das Klopfen mit der Meridian-Klopftechnik EFT den Neurotransmitter Serotonin freisetzt und dass Serotonin an vierzehn verschiedenen Stellen im Körper benötigt wird. Es spielt eine wichtige Rolle im Herzkreislauf-, Magen-Darm- und Zentralnervensystem. Depressive Verstimmungen und Angst können z.B. auf einem Serotonin-Mangel beruhen.

Ich wollte gerne mehr wissen und habe mir noch einmal den Klassiker „Sind Sie hochsensibel?“ von Elaine Aron zu Gemüte geführt. Und dort wurde ich fündig. Aron schreibt dort nämlich, dass in zwei verschiedenen Studien* (siehe u.) festgestellt wurde, dass länger anhaltender Stress zu einer Senkung des Serotonin-Spiegels im Körper führt. (Die Studien wurden übrigens an Affen durchgeführt, es ist aber üblich, die Ergebnisse solcher Studien auf Menschen zu übertragen).

Konkret bedeutet das für uns: wenn wir hochsensibel sind, sind wir häufig extrem stress-empfindlich. Der Stress entsteht übrigens nicht nur im Außen (z.B. durch Temperatur, Licht und Geräusche), sondern auch in unserem Inneren (wenn wir Erlebnisse nicht loslassen können und diese endlos wiederkäuen z.B.)

Wenn es sich um kurzfristigen und kontrollierbaren Stress handelt, werden über das zentrale Nervensystem zwar die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet – der Körper kehrt jedoch nach einer gewissen Zeit in seinen ungestressten „Normalzustand“ zurück. Handelt es sich jedoch um unkontrollierbaren und/oder chronischen Stress, so wird zusätzlich auch noch Cortisol ausgeschüttet, was allerhand weitere Reaktionen im Körper in Gang setzt. Der Körper kehrt nicht in den ungestressten Zustand zurück. So erhöht sich allmählich das Grundstress-Level – wenn nicht dafür gesorgt wird, dass der Stress wieder abgebaut wird.

Es liegt auf der Hand, dass wir als hochsensible Menschen eher von unkontrollierbarem und chronischem Stress betroffen sind – denken Sie nur einmal daran, wie viele Situationen Sie tagtäglich erleben, die Sie stressen und über die Sie gar keine Kontrolle haben? Ich denke an Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arbeitssituationen, das Mittagessen in der Kantine, das Leben mit Kindern, Beziehungen … Dies sind Situationen, die für Ihren Körper puren Stress bedeuten können, ohne dass Sie es explizit zur Kenntnis nehmen.

Jetzt greife ich zurück auf die Erkenntnisse der oben erwähnten Studien, dass chronischer Stress zu einer Senkung des Serotonin-Spiegels im Körper führen kann und damit auch das Entstehen von Ängsten und Depressionen begünstigt. Was liegt denn näher, als dafür zu sorgen, dass der Serotonin-Spiegel wieder angehoben wird? Das Klopfen mit der Meridian-Klopftechnik EFT setzt u. a. auch den Neurotransmitter Serotonin frei. (Mehr wissenschaftliche Information finden Sie unter http://www.psychotherapy-center.com/energy-psychology-ruden-paper-2005.html) Angst und Depressionen, Kopfkino etc. können sich auflösen. Das habe ich selbst erlebt.

Früher war ich ein melancholischer, niedergeschlagener Mensch, der weder mit sich, anderen oder der Welt überhaupt zurecht kam. Durch das Klopfen habe ich heraus gefunden, dass in mir eigentlich noch ein anderes Ich wohnt, das fröhlich und optimistisch ist und sich viel mehr als mein eigenes Wesen heraus gestellt hat. Heute geht es mir richtig gut. Ich habe dazu nichts Besonderes gemacht, außer sehr hartnäckig fast jeden Tag geklopft – und das nicht mehr als zehn Minuten am Tag. Das können Sie auch!

CDaudioIch habe mir was Nettes für Sie zur Motivation ausgedacht: Ich habe kleine MP3-EFT-Audiodateien erstellt. Damit können Sie von mir begleitet Belastungen klopfen, unter denen hochsensible Menschen besonders häufig leiden, wie „Ich übernehme ungefragt Verantwortung“, „Ich bin anders“, „Ich bin schnell erschöpft“ etc. Probieren Sie doch einmal so einen Satz aus, Sie werden sehen, dass der Zeitaufwand ganz minimal ist, pro Satz nicht mehr als 2 Minuten.

* S. Suomi: „Uptight and Laid-Back Monkeys: Individual Differences in the Response to Social Challenges“, in: Plasticity of Development, Ausgabe: s. Branch, W. Hall and E. Dooling, Cambridge, Mass. MIT Press, 1991, S.27-55
S. Suomit: „Primate Separation Models of Disorder“, in: Neurobiology of Learning, Emotion and Affect, Ausgabe J. Madden IV, New York: Raven Press, 1991, S. 195-214


Wir sind. So oder so.

Sich als hochsensibler Mensch vom Karneval fern zu halten ist als Nicht-geborene-Rheinländerin relativ einfach. Sofern man sich nicht selbst in das närrische Treiben hinein fallen lässt, braucht es nur einen winzigen, distanzierenden Schritt zur Seite um das Kafkaeske des karnevalistischen Treibens zu sehen. Wenn ich nicht in Stimmung bin, bleibe ich fern. Punkt. Anders verhält es sich jedoch mit Großveranstaltungen, die für mich einen ideellen Wert besitzen, zum Beispiel der CSD.

In Köln war der ideelle Wert in diesem Jahr besonders groß, da dort die Teilnahme rechter Organisationen an der Parade nur dadurch ausgehebelt werden konnte, dass die Parade abgesagt und statt dessen eine Demonstration angemeldet wurde. Flagge zeigen war also angebracht. Foto1246

Als ich den Gedanken, bei der Demo mit zu laufen, zaghaft ins Auge fasste, erwachten sofort unschöne Erinnerungen an einen CSD vor einigen Jahren, den ersten, den ich mit meiner Freundin verbrachte. Sie wollte immer dort sein, wo die Action ist, mitten in den Massen, ich als mittlerweile ausgeprägte HSP wollte am liebsten niemanden um mich herum haben … Sie können sich selbst ausmalen, dass es für uns beide höchst anstrengend war. Die Frage war also, konnte ich es mir so einrichten, dass ich diesen Tag mit der Hypersensitivität nicht nur eben so überstehen, sondern genießen würde?

Vorab kann ich sagen, es hat wunderbar geklappt, obwohl ich am Sonntagmorgen nicht gerade vor Energie strotzte. Ich habe mich gut vorbereitet. Ohrenstöpsel waren natürlich ein Muss, Wasser und genügend energiereiche Nahrung (Das nächste Mal muss ich unbedingt an Salzgebäck denken!).

Schon im Zug habe ich meine Freundinnen darüber informiert, dass ich mich unter Umständen einfach verdrücke, wenn ich mich nicht gut fühle (was auch immer das sein könnte). Auch wenn sie das nicht wirklich gut fanden, gab es mir jedoch von Vornherein die Sicherheit, nicht unbedingt alles aushalten zu müssen.

Gut, es war ausgesprochen grenzwertig, zwischen zwei LKWs mit jeweils unterschiedlich wummernder Musik eingeklemmt zu sein. Dieses Problem löste sich im Laufe der Demonstration jedoch von alleine auf. Die Ohrenstöpsel erwiesen sich dabei als unschätzbare Hilfe.

Kleine Highlights am Rande: die Mutter, die ihr kleines Kind auf dem Arm hält und ihm gute Ohrenschützer aufgesetzt hat. Die Freundin, die zu mir kommt und mir sagt: „Du stehst hier so cool. Ich bin so aufgeregt.“ Da habe ich erst gemerkt, ja, das stimmt. Ich bin nicht mehr so aufgeregt wie früher, ich kann das jetzt besser steuern. Und so bleibt es auch den ganzen Tag über. Immer wieder checke ich nach: Wie gehts mir? Was brauche ich? Wie sich dann zeigt, sind es ganz einfache Dinge, die gehen. In der Sonne herum stehen geht gar nicht. Also schnell in den Schatten, wenn es die Möglichkeit gibt. Wenn nicht, lieber tanzen. Dazu gab es reichlich Gelegenheit, alleine der Marsch über die Deutzer Brücke dauerte eineinhalb Stunden. Mir wird flau? Schnell etwas essen und ausblenden, dass etliche Menschen dabei zusehen, wie ich Möhrensalat in mich hinein schaufele. Mir gefällt, dass es immer und überall genug Platz gibt für mich (was man von den Zuschauern nicht unbedingt sagen kann, die sich wie immer eng in der Altstadt drängen). Ich bedanke mich innerlich bei meiner Freundin, die mir zu der langärmeligen, weißen Bluse geraten riet – es hat definitiv etwas, völlig ohne Sonnenbrand-Stress zu sein.

Das letzte Drittel war zugegebenermaßen ziemlich hart, nach dreieinhalb Stunden Laufen in der Hitze war es auch mit Tanzen nichts mehr. Aber ich habe es trotzdem geschafft, die Demo mit anderen Teilnehmerinnen zusammen in einem Café ausklingen zu lassen. Den Rest des Tages habe ich zuhause in meinem Garten in klösterlicher Stille verbracht. Das musste dann unbedingt sein. Ich hatte allerdings abends Mühe, einzuschlafen. Die Demo ging endlos in meinem Kopf weiter, ich konnte einfach nicht zur Ruhe kommen. Das war sehr anstrengend.

Am nächsten Tag ging es mir trotz der körperlichen Strapazen wirklich wunderbar. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass es grandios sein kann, sich ab und zu etwas zu trauen was auf den ersten Blick völlig über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen scheint. Das wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben und mich motivieren, mich auch weiterhin gelegentlich zu fordern.

Die Frage ist: was sind Ihre Herausforderungen, denen Sie sich stellen und bei denen Sie über sich selbst hinauswachsen?

Ich wünsche Ihnen und uns einen schönen Sommer
Herzlichst,
Ihre Monika Richrath


Im Haus der Krokodile

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Gestern haben wir uns den uralten Film „Das Haus der Krokodile“ angesehen, ein Kinderfilm mit einem mir damals noch unbekannten Thommi Ohrner, vor dem ich auch im Jahre 1976 schon mitgezittert und -gefiebert habe. An die Handlung konnte ich mich zuerst überhaupt nicht erinnern, aber ganz schnell wurde mir jedoch klar, dass ich auch 37 Jahre später immer noch mitleide und völlig aufgelöst bin bei der Vorstellung, ein fremder Mann schleicht in der Wohnung herum, während Thomas Ohrner und seine Schwestern schlafen.

Zu „aufregenden“ (der Begriff ist ja sehr dehnbar) Fernsehfilmen hatte ich immer schon ein angespanntes Verhältnis. Am schlimmsten fand ich „Skippy“ und „Daktari“. Ich erinnere mich an einige schmachvolle (Gruppen-)Situationen, wo ich unfreiwillig Gegenstand kollektiven Gelächters wurde, z.B. weil ich es nicht ertrug, dass der schielende Löwe Clarence zu einem armen unwissenden Besucher ins Zelt schlich. Ich bin ohne Fernseher groß geworden – was zur Folge hatte, dass ich obige Situation nicht richtig interpretieren konnte. Ich glaubte, dem armen Mann ging es jetzt an den Kragen und saß schreckensstarr auf meinem Stuhl. Oder das Kanguruh Skippy jagte einen Bösewicht auf einen Baum – was ich auch nicht komisch fand. Wenn ich es gar nicht mehr aushalten konnte, kniff ich die Augen ganz fest zu (eine Taktik, die ich heute immer noch praktiziere). Das blieb leider nicht unbemerkt.

Ende der 70er/Anfang der 80er kamen dann Zombi- und Horrorfilme in Mode. Sie ahnen es: Da kam ich wirklich in Bedrängnis mit meiner Empfindlichkeit. Als Schülerin ging ich mit meinen Freundinnen häufig in ein finsteres Kellerlokal, wo am Nachmittag Videos gezeigt wurden. Dort wurde ich häufig Zielscheibe freundlichen Spotts – was mich aber nicht daran hinderte, trotzdem hin zu gehen. Meine Empfindlichkeit war mir, ehrlich gesagt, selbst peinlich. Dass ich hochsensibel bin, wusste ich damals ja nicht. Ich habe es anderen und mir selbst so erklärt, dass ich ohne Fernsehen groß geworden bin und keine Gelegenheit hatte, mich an die dort dargestellten Gräuel zu gewöhnen. Den anderen machte es ja scheinbar nichts aus, da konnte kommen, was wollte. Zwar ahnte ich vage, dass es mir einfach nicht gut tat, diese gruseligen Filme zu sehen, aber dabei blieb es dann auch.

Bis zu meiner ganz persönlichen Apokalypse, dem Tag, der mein Leben veränderte. Es war der Tag, an dem der erste Teil von „Freitag, der 13.“ lief. Ich weiß bis heute nicht, wie ich die ganze Abschlachterei in dem Feriencamp überhaupt ausgehalten habe. Dabei kam das wirklich Schreckliche erst in den letzten Minuten. Da stellte sich nämlich heraus, dass eine Frau, die Mutter eines Kindes, das von anderen Kindern in einen See getrieben worden und augenscheinlich umgekommen war, der zornige Racheengel war. Und das wirklich allerschlimmste an dem ganzen Film war für mich, dass diese völlig harmlos aussehene Mutti mit blonder Dauerwelle den Mund öffnete und eine Kinderstimme heraus kam, die sagte: „Töte sie, Mami, töte sie!“ Darüber wurde ich fast psychotisch. Diese Sekunden verfolgten mich monatelang in einer Endlosschlaufe. Wenn ich mich abends ins Bett legte und daran dachte, begann ich zu zittern und zu beben und konnte mich einfach nicht mehr beruhigen. Selbst heute, wo ich den Rest des Films vergessen habe, ist diese Erinnerung noch sehr präsent.

Nachdem es mir einige Tage lang sehr schwer gefallen war, Schlaf zu finden, habe ich dann endlich eine Entscheidung mit allen Konsequenzen für mich getroffen. Mir endlich eingestanden, dass ich so etwas nicht ertragen kann – warum auch immer. Und auch, dass Schluss sein muss mit dem nachmittäglichen Filme gucken – auch, wenn es bedeutet, dass ich einen Schritt zurück machen muss von meinem Freundeskreis. Kurioserweise erinnere ich mich überhaupt nicht daran, dass dies schwierig war – sehr wohl erinnere ich mich aber daran, dass ich unglaublich erleichtert war, als wäre eine große Last von mir genommen.

So geht und ging es mir in Sachen Hochsensibilität mit vielen Dingen: dass ich dachte, das Schlimme wäre, mich deutlich abzugrenzen und etwas nicht mehr zu tun, während in Wirklichkeit das wirklich Schlimme ist, etwas zu tun, womit ich gar nicht klar komme. Kennen Sie das? Haben Sie Ähnliches auch schon erlebt? Dann freue ich mich, wenn Sie es mit uns teilen.

Herzlichst, Ihre
Monika Richrath